Viele andere berühmte Künstler haben sich diesem Thema angenommen, wobei Leonardo da Vinci ein besonders bekanntes Beispiel ist. Bosch bringt mit Anbetung der Könige jedoch seinen eigenen Stil in dieses Thema ein: einen Stil, der kompliziert, skurril und sehr individuell ist. Die Anbetung der Könige ist ein Triptychon, das zwischen 1485 und 1500 entstand (wie bei vielen Werken von Bosch ist das genaue Datum der Ausführung des Gemäldes unbekannt). Ein Triptychon ist ein Kunstwerk, das aus drei Gemälden auf drei Tafeln besteht. Sehr oft (und das ist in der Tat bei der Anbetung der Könige der Fall) sind die drei Gemälde durch Scharniere miteinander verbunden, und so entfaltet sich das Triptychon, um die volle Pracht des Werkes zu enthüllen. Ein weiteres Triptychon von Bosch ist zum Beispiel Die Versuchung des heiligen Antonius. Boschs skurriler Blick auf die Welt ist in Anbetung der Könige durchaus zu spüren, wenn auch etwas gedämpfter als in anderen Werken von ihm wie etwa Der Garten der Lüste.

Schauen Sie sich zum Beispiel die wackelige Form des Hauses in Anbetung der Könige und die dynamischen Szenen an, die im Hintergrund zu sehen sind (wie die monströse Bestie, die eine menschliche Figur verschlingt oder angreift auf der rechten Seite). Diese kleinen Dramen und skurrilen Perspektiven sind typisch für Boschs Arbeit. Ein weiterer interessanter Aspekt der Anbetung der Könige ist die Art und Weise, wie das Triptychon aussieht, wenn die rechte und die linke Seite nach innen gefaltet und das Triptychon „geschlossen“ ist. Auf die Rückseiten der Tafeln gemalt, kann der Betrachter einen Altar mit Priestern und anderen Gläubigen sehen, die eine Statue des erwachsenen Christus anbeten. Der Zusammenhang, der hier hergestellt werden muss, ist klar: Die Anbetung des Christuskindes durch die Sterndeuter ist in Boschs Welt des Spätmittelalters und der frühen Renaissance etwas, das in den gottesdienstlichen Handlungen wiederholt wird, die von Christen in der Kirche täglich in der Kirche vollzogen werden.